15.10.2012

Die Heilssicherheit und die Liebe - Teil 6

Wie sicher ist die Erlösung? In dieser Serie soll die Frage nach der Heilssicherheit systematisch untersucht werden. Lesen Sie hier Teil 6.


Von Gott wiedergeborene Christen haben Heilssicherheit. Das Problem ist: Nicht jeder «bekennende Christ» ist wiedergeboren (Mt 7,21; vgl. Mk 4,1-20). In der letzten Ausgabe sahen wir, dass Wiedergeborene in der Heiligung wachsen. Es gibt noch mehr Kennzeichen, woran wir auch selbst erkennen können, ob wir wiedergeboren sind und zu Recht Heilssicherheit haben. Einige dieser Kennzeichen möchte ich zum Abschluss dieser kurzen Serie über die Heilssicherheit im Licht eines grossen Themas näher beleuchten: die Liebe.

Die Liebe zum Erlöser. Paulus offenbart, dass in das Herz eines durch Glauben Gerechtfertigten «die Liebe Gottes» ausgegossen ist (Röm 5,5). Darum gilt für alle Wiedergeborenen, dass «denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen» (Röm 8,28). Warum allen Wiedergeborenen? Weil jeder Wiedergeborene Gott liebt (Röm 5,5; 1.Joh 5,3). Das ist das Kennzeichen eines Erlösten. Und darum: Wenn «alle Dinge zum Besten dienen», ist Verdammnis für den Wiedergeborenen ausgeschlossen (Verloren zu gehen, wirkt nicht zum Besten mit!).

«Denn dies ist die Liebe Gottes, dass wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer» (1.Joh 5,3; vgl. 2.Joh 6). Der Herr Jesus selbst erklärt: «Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren» (Joh 14,21). Wer Jesus Christus liebt, hält Seine Gebote: «Nicht jeder, der zu mir sagt: ‹Herr, Herr!›, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist» (Mt 7,21). Mit diesen Worten sind genau die Leute gemeint, die zu Jesus Christus «Herr, Herr!» sagen, Ihm aber nicht nachfolgen wollen: die sogenannten «fleischlichen Christen» (s. «Die Heilssicherheit und die Heiligung»; Mitternachtsruf 7/12).

Römer 10,9 erklärt, dass es zur Errettung notwendig ist, im Herzen zu glauben und dies zu bekennen «… mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennst und in deinem Herzen glaubst.» In diesem Vers ist die Rede von einem fortwährenden Bekennen und Anerkennen. Es geht nicht bloss um das einmalige Lippenbekenntnis: «Herr, Herr!», sondern darum, Christus in seinem Leben als Herrn zu akzeptieren – das bedeutet, im Herzen zu glauben. Der Wiedergeborene benutzt die Freiheit nicht zum Deckmantel der Sünde, sondern will als Knecht Gottes leben (vgl. Röm 6,22; 1.Petr 2,16). Dies kann er, weil die Liebe Gottes in seinem Herzen ausgegossen ist. Ein wiedergeborener Christ ist jemand, der den Herrn mit seinem ganzen Herzen, aus seiner ganzen Seele, mit seinem ganzen Verstand und aus seiner ganzen Kraft lieben will.

Die Liebe zu den Erlösten. Dass die Liebe Gottes in das Herz eines Erlösten ausgegossen ist, bedeutet aber auch, dass er seinen Nächsten so lieben will, wie er sich selbst liebt. Jesus Christus erklärt in Seinen Abschiedsreden: «Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebet, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebet. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt» (Joh 13,34-35).

Petrus sagt, dass Christen vor allem eine «inbrünstige Liebe» untereinander haben sollten (1.Petr 4,8). Auch Paulus betont die Liebe (1.Kor 13; 1.Thess 3,12). Die erste Frucht des Geistes ist Liebe (Gal 5,22). Alle weiteren aufgeführten Früchte entspringen aus dieser Liebe, die Gott in unsere Herzen ausgegossen hat (Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit). Das grosse Kennzeichen eines Erlösten ist nicht eine perfekte Theologie oder seine Bibelkenntnis (die hat der Teufel auch; vgl. Lk 4,1-13), nicht sein allgemeines Bekenntnis (das haben die Dämonen auch; vgl. Mt 8,29; Jak 2,19), sondern seine Liebe zu seinen Nächsten, vor allem zu seinen Glaubensgenossen (Joh 13,34-35; vgl. Gal 6,10).

Die Liebe des Erlösers. Als Wiedergeborene, in deren Herzen die Liebe Gottes ausgegossen ist, dürfen wir die Sicherheit haben, dass «weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Gewalten, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermögen wird von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn» (Röm 8,38-39). Der Kontext des Kapitels macht deutlich, dass Paulus hier Gottes bewahrende Liebe für Seine Erlösten in Christus Jesus meint: «Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns? Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken? Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt; wer ist es, der verdamme? Christus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auch auferweckt worden, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet» (V 31-34).

Gott ist für uns. Jesus Christus verwendet sich im Himmel zur Rechten Gottes für uns (vgl. Hebr 7,25). Und laut Römer 8,26 verwendet sich auch der Heilige Geist selbst mit unaussprechlichen Seufzern für uns. Der dreieinige Gott ist für uns. Der Vater hat in Seiner grenzenlosen Liebe für uns Seinen eigenen Sohn nicht verschont. Wer kann uns da noch verdammen? Die Antwort auf Paulus’ rhetorische Frage ist: Niemand. Durch Jesus Christus steht der Gläubige jetzt tadellos und heilig vor Gott in Liebe. Er/ sie ist jetzt Sein/e Sohn/Tochter (Eph 1,4-5). Aus einem verlorenen Sünder ist ein auserwähltes Kind geworden.

Es ist eine Frage der Liebe Gottes, dass Er den Gläubigen befestigt bis ans Ende (1.Kor 1,8-9), und dass Er, der das gute Werk in einem Gläubigen angefangen hat, es auch vollenden wird (Phil 1,6). Diese Zuversicht hätte Paulus niemals ausdrücken können, wenn die Erlösten in Philippi vom Glauben hätten abfallen können. Gott führt den Erlösten «allezeit im Triumphzug» umher «in Christus» (2.Kor 2,14). Ein Triumphzug endet nicht mit Verdammung! Gott verspricht, dass Er niemals eine Versuchung zulassen wird, die unsere Kraft übersteigt (1.Kor 10,13). Und Er verspricht, dass Er «auch den Ausgang schaffen wird». Glauben Sie Gottes Zusicherungen oder wollen Sie sich etwa doch noch lieber die Option zum Verlorengehen offen lassen?

Jesus Christus ist nicht nur der Anfänger, sondern auch der Vollender Ihres Glaubens (Hebr 12,2). Die Sicherheit Ihrer Erlösung liegt in Gott, nicht in Ihnen. Ihr Festhalten am Glauben und Ihre Werke des Glaubens als Folge der Wiedergeburt vermögen Sie nicht in der Erlösung zu bewahren, sondern sind Beweis Ihrer Erlösung. Wie Spurgeon sagt:

«Bedenke Sünder, nicht dein Festhalten an Christus rettet dich – sondern Christus; nicht deine Freude in Christus rettet dich – sondern Christus; nicht einmal dein Glaube an Christus, wenn er auch das Werkzeug ist – sondern Christi Blut und Verdienst; deshalb, schau nicht auf deine Hoffnung; nicht auf deinen Glauben, sondern auf Christus, den Anfänger und Vollender deines Glaubens; und wenn du das tust, können zehntausend Teufel dich nicht stürzen … Das ist etwas, was wir alle in unseren Predigten, wenn auch unbeabsichtigt, wie ich glaube, viel zu sehr verschleiern – nämlich die grosse Wahrheit, dass es nicht unser Gebet, nicht unser Glaube, nicht unsere Taten und nicht unsere Gefühle sind, auf die wir bauen dürfen, sondern Christus und Christus allein. Wir denken leicht, mit uns stimmt es nicht, wir fühlen nicht genug, anstatt uns zu erinnern, dass wir es nicht mit uns selbst zu tun haben, sondern mit Christus. Ich möchte euch dringlich bitten, schaut nur auf Christus; erwartet Befreiung und Hilfe niemals von euch selbst, von Pastoren oder von irgendwelchen Mitteln irgendwelcher Art getrennt von Christus; haltet eure Augen einfältig auf Ihn gerichtet; lasst eurem Bewusstsein Seinen Tod, Seine Kämpfe, Seine Seufzer, Sein Leiden, Seine Verdienste, Seine Herrlichkeit, Seine Fürbitte immer neu und frisch gegenwärtig sein; wenn ihr am Morgen erwachet, haltet nach Ihm Ausschau; wenn ihr euch des Abends niederlegt, dann schaut auf Ihn.»

Von René Malgo